Maltes Meinung: Diageo will es wissen

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Bei „Maltes Meinung“ zählt nur eines: Maltes Meinung! Hier werden aktuelle Themen der Whiskyszene besprochen und dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen. Keine Marketingparolen, keine Pressemitteilungen. Dafür kritisch, offen und manchmal mit einem Augenzwinkern.

Jedes Jahr geht das gleiche Spiel los: Diageo kündigt seine Special Releases an. Meistens sind das sündhaft teure Single Malts mit stolzem Alter, dazu ein oder zwei Grain Whiskys, vielleicht auch mal ein Blend. Eigentlich immer dabei sind Brora und Port Ellen und so geht dieses Spiel schon seit 2001. Man kann dazu eingestellt sein, wie man will: Entweder ist es eine tolle Gelegenheit an seltene Abfüllungen zu kommen oder es ist einfach viel zu teuer und etwas für Sammler. Vielleicht ist es einem auch egal. Bei mir ist es eigentlich Letzteres, allerdings auch meist gepaart mit ein wenig Neugier. Die aufgerufenen Preise sind mir dann letztendlich aber doch deutlich zu hoch. Doch 2018 ändern sich die Spielregeln leicht, dazu schauen wir zunächst auf die aktuellen Special Releases:

  • Carsebridge 48 Jahre, 43,2%, 1000 Flaschen
  • Caol Ila Unpeated 15 Jahre, 59,1%, „Limited quantities available“
  • Caol Ila 35 Jahre, 58,1%, 3276 Flaschen
  • Inchgower 27 Jahre, 55,3%, 8544 Flaschen
  • Lagavulin 12 Jahre, 57,7% „Limited quantities available“
  • Oban 21 Jahre, 57,8%, „Limited quantites available“
  • Pittyvaich 28 Jahre, 52,1%, 4680 Flaschen
  • The Singleton of Glen Ord 14 Jahre, 57,6%, „Limited quantities available“
  • Talisker 8 Jahre, 59,4% „Limited quantities available“

Was fällt uns hier auf? Zum einen ist es die übliche Mischung: Rare Brennereien (Carsebridge, Pittyvaich), ein junger Talisker (seit 2013 gab es keinen Special Release aus dieser Brennerei) und – Achtung, Achtung! – kein Brora oder Port Ellen. Letzteres ließ mich doch etwas stutzen, denn immerhin waren die Special Releases bisher immer eine sichere Gelegenheit, sich mit diesen Brennereien einzudecken. Seit 2001 gab es jedes Jahr einen Whisky aus diesen Destillen. Doch 2018 ist vieles anders, denn Diageo hat beschlossen in die Vollen zu gehen. Brora und Port Ellen werden wieder angefahren, es wird also bald wieder neues Destillat geben. Im Zuge dessen hat sich Diageo entschlossen diese Brennereien als „annual bottlings outside of the collection“ herauszubringen. Der Special-Special Release lässt also grüßen. Mir graut es ehrlich gesagt schon davor, wie die Preisgestaltung dann aussehen wird. Aber nach oben geht es natürlich grenzenlos weiter. Was soll man nun daraus machen? Ich finde es ehrlich gesagt seltsam, dass diese Brennereien so einen Hype auslösen, aber vielleicht ist das ja wie bei Apple. Wenn es erst einmal läuft, dann gibt es keine rationalen Argumente mehr. Man sollte sich aber vor Augen führen, dass Port Ellen nicht besonders beliebt war und deswegen geschlossen wurde. Und Brora? Na, da bekommt man für gutes Geld Clynelish. Vielleicht nicht identisch, aber ähnlich! Dem geneigten Sammler wird es egal sein. Wenn es eine Flasche zu jagen gibt, dann wird diese auch gejagt.

Wohin es weitergehen wird? Auch hier gilt: „The sky is the limit!“ Diageo hat erst kürzlich angekündigt, für £150 Millionen die Besucherzentren in seinen Brennereien auszubauen. Dazu kommt das neue Zuhause von „Johnnie Walker“ in Edinburgh. Dort wird die wohl bekannteste Whiskymarke der Welt zukünftig mit einer Art Museum / Themenpark aufwarten. Das Ziel? Schottland soll beim „globalen Boom des Essen- und Getränketourismus“ an erster Stelle stehen. Ob das noch viel mit der Ruhe und Gelassenheit zu tun hat, die unseren geliebten Whisky ausmacht? Ich bin mir da nicht so sicher… Aber das ist ja eh nur meine Meinung!

Euer Malte

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