Maltes Meinung: … wenn Hirsche experimentieren.

wenn-hirsche-experimentieren
Bei „Maltes Meinung“ zählt nur eines: Maltes Meinung! Hier werden aktuelle Themen der Whiskyszene besprochen und dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen. Keine Marketingparolen, keine Pressemitteilungen. Dafür kritisch, offen und manchmal mit einem Augenzwinkern.

Wenn einer in das Tal der Hirsche geht, dann kann er was erleben. Zumindest erhofft sich die Brennerei Glenfiddich das. Bisher scheint dieses Konzept ja auch gut aufzugehen, immerhin produziert die, 1886 durch William Grant gegründete Brennerei, im Jahr gute 10 Millionen Liter Alkohol.

Nun wird allerdings seit 2016 nicht nur schnöder Single Malt gebrannt, nein! Im Oktober 2016 ließ die Brennerei in einer Pressemitteilung zur (damals) neuen Experimental Series verlautbaren: „Bahnbrechende Innovation aus Leidenschaft“. Im April 2018 wurde das Label für die 4. Ausführung der Serie entdeckt. Zeit für eine kleine Rückschau:

Die Experimental Series kam mit zwei Abfüllungen auf den Markt: IPA Experiment und Project XX („twenty“). Der IPA zeichnet sich durch eine Nachreifung in Indian Pale Ale Fässern aus, und ist damit der erste Whisky aus dieser besonderen Bierfass-Sorte. Der  Project XX wurde von 20 Markenbotschaftern kreiert, welche Zugang zum „Conval Warehouse“ bekamen – dem selbsttitulierten „behütetsten Ort“ der Brennerei. Die Whiskyexperten erhielten vollkommene Freiheit bei der Auswahl von 20 Fässern und wählten dementsprechend auch einen wilden Mix aus Portpipes, Ex-Sherry und First Fill Bourbon aus. Aus dieser Auswahl kreierte Masterdestiller Brian Kingsman dann den XX. Wahrscheinlich allerdings nicht nur aus diesen 20 Fässern, denn die Auflage scheint nicht gerade klein zu sein. Abgefüllt wurde mit 43% (IPA) und 47% (XX), was beiden Whiskys gut tut. Der IPA ist nicht mein Lieblingswhisky, aber er zeigt wirklich tolle Hopfenaromen. Den XX hingegen finde ich wirklich großartig, denn die zusätzlichen Prozente geben einiges an Potenzial frei und auch die – eigentlich diffuse – Fassauswahl fällt erstaunlich harmonisch zusammen. Soweit, so gut: Spannende Whiskys aus einer Serie, die ihren Namen auch verdient…

…Doch dann kam es, wie es kommen musste: Ende 2017 kam das neue Mitglied der bahnbrechenden Serie hinzu: Glenfiddich Winter Storm. Eigentlich liest sich auch dieser Whisky spannend, immerhin hat er ein Finish in Eiswein-Fässern erhalten. Allerdings, und hier wird man als geneigter Whiskygenießer doch mindestens stutzig, kam die Flasche mit einem Preis von knapp 200€ auf den Markt. Immerhin ist der Whisky 21 Jahre alt! Ein kleiner Preissprung von den ca. 50€ für IPA und XX. Doch damit nicht genug, der Winter Storm war so knapp, dass man als normaler Genießer kaum einen Zugriff auf eine Flasche bekam. Da wurde der eigentliche Preis schnell zur Nebensache.

Springen wir zurück ins Jahr 2018. Wie steht es aktuell um die Serie? IPA und XX sind nach wie vor erhältlich und die Preise sind ziemlich stabil. Der Winter Storm? Klassisch: Bei großen Auktionsplattformen kann man sich eine Flasche kaufen. Preis? 400€ oder mehr. Ne, da steige ich dann aus.

Jetzt wurde also ein weiteres Label in einer amerikanischen Datenbank gefunden. „Fire & Cane – Smoky whisky finished in sweet rum casks“ ist da zu lesen. 43% Alkohol ist außerdem noch zu erkennen. Die Namensgebung erscheint logisch: “fire“ meint den rauchigen Anteil, „cane“ bezieht sich bestimmt auf das Zuckerrohr und den süßen Charakter des Rums. Ein Alter lässt sich auf dem Label nicht ausmachen.

Und so stehe ich jetzt wieder am Anfang und im Zwiespalt mit dieser Serie. Zum einen stehen da zwei Auftaktwhiskys, die mir gut gefallen haben. Dann kam dieser absolute Flop des Winter Storms. Denn mal ehrlich: Wenn man eine Serie für 50€ startet, wieso macht man als dritte Ausgabe einen Whisky, der das Vierfache kostet und kaum zu erhalten ist? Nummer Vier verspricht nun wieder etwas mehr Spannung, vielleicht hat man aus dem Desaster gelernt, genug Kritik eingesteckt und sich mal wieder etwas auf den Kunden bezogen. Vielleicht kommt der Fire & Cane ja aber auch für 150€ auf den Markt; Die fehlende Altersangabe hat ja nicht zwangsläufig etwas mit dem Preis zu tun. Darüber hinaus frage ich mich, ob es denn wirklich ein rauchiger Whisky sein muss. Wieso müssen momentan alle Rauch in ihren Whisky integrieren. Nur weil Islays sich quasi von selbst verkaufen? … ich schweife ab.

Insgesamt verbleibe ich mit ein wenig Vorfreude auf den Fire & Cane, aber leider auch mit einer ordentlichen Portion Skepsis. Die Zeit wird zeigen, ob etwas Gutes dabei herauskommt wenn Hirsche weiterhin experimentieren.

Aber das ist ja eh nur meine Meinung!

Euer Malte

Kommentieren