Scotch Whisky in voller Blüte – Über die neuen Brennereien in Schottland

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Wir Whisky-Fans leben heute in einer faszinierenden Epoche der Whisky-Geschichte. Wir haben den märchenhaften Aufstieg des japanischen Whiskys und den Einzug exotischer Länder wie Taiwan und Indien in die internationale Whisky-Szene miterlebt. Das beinahe tot geglaubte Irland erlebt derzeit eine wahre Whisky-Renaissance und in den USA wimmelt es heute von Craft-Destillerien. Auch auf dem europäischen Festland etablieren sich mehr und mehr Brennereien mit einem soliden Ansehen.

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Wie sieht es in Schottland, der Heimat des Scotch Whiskys aus?

Schottland Brennereilandkarte

Distilleries of Scotland – Bei so vielen neuen Brennereien verliert man schnell den Überblick. Abhilfe schafft unsere Brennereikarte.

Der Whisky-Boom ist hier wie kaum woanders auf der Welt zu spüren. Derzeit erleben wir ein beispielloses Wachstum der Brennereien-Szene. Die großen Wachstumsschübe der schottischen Whisky-Industrie liegen weit zurück im 19. Jahrhundert. Die erste Welle fand nach dem Erlass des berühmten Excise Acts 1823 statt, der die Lizenzierung einer Whisky-Brennerei vereinfachte und damit die erste Blüte der Scotch Whisky Industrie einleitete. Heute sind noch 16 Brennereien aus dieser Zeit übrig, viele andere mussten in der Zwischenzeit ihre Tore schließen. Über die Hälfte der im späten 19. Jahrhundert gegründeten rund 40 Brennereien sind mittlerweile stillgelegt. Seit 2010 bis heute sind rund 23 Brennereien gebaut worden und in Produktion gegangen, 10 weitere sind in Planung oder bereits im Bau. Weitere werden folgen und somit sehr wahrscheinlich bis 2020 die 40 knacken und einen neuen Rekord aufstellen! So gut geht es der Whisky-Industrie heute.

Viele dieser jungen, teils höchst innovativen Brennereien werden in den nächsten Jahren mit dem ersten hauseigenen Whisky auf den Markt kommen. Wir möchten Ihnen im Folgenden einen Überblick über die Landschaft der neuen Brennereien in Schottland verschaffen und somit die Entscheidung erleichtern, welche der Neuankömmlinge Sie im Auge behalten wollen. Dabei konzentrieren wir uns vorwiegend auf die Brennereien, die ab 2014 gebaut wurden und somit die Mindestreifezeit von Scotch Whisky von drei Jahren noch nicht, oder gerade erst überschritten haben.

Die Ansätze der jungen Malt Whisky Brennereien unterscheiden sich hierbei deutlich und zeichnen gleichzeitig einen gewissen Trend. Die große internationale Nachfrage nach Blended Scotch Whisky und Single Malt gleichermaßen hat viele Whisky-Produzenten und deren Lagerhäuser an die Belastungsgrenze geführt. Hierauf reagieren viele Taditions-Brennereien mit Expansion und spektakulären Um- und Neubauten. Das berühmteste Beispiel hierfür ist die jüngst eröffnete neue Macallan Distillery. Doch auch Ardbeg, Kilchoman, Edradour und Glenmorangie arbeiten fleißig an der Erhöhung ihrer Produktionskapazität.

Macallans neue Brennerei

Macallans Brennereineubau – Die Kathedrale des Malt

Um ihre bestehenden Malt Whisky Marken zu schützen, haben die großen Whisky Firmen jeweils eine „Support-Brennerei“ gebaut. Diese sollen zukünftig große Teile des Malt Whiskys in den Blended Scotch Marken stellen und somit die bisher nötigen Malt Whiskys ablösen. Diageo machte dies 2009 mit Roseisle vor, William Grants and Sons folgten mit Alisa Bay in den Lowlands, Pernod Ricard mit Dalmunach in der Speyside, die in die Fußstapfen der geschlossenen Imperial Destillerie tritt. Auch Inchdairnie in den Lowlands zählt zu den größeren Projekten, die sich mehr auf die Produktion als auf den Tourismus-Sektor konzentrieren. Keine dieser Brennereien hat daher ein Besucherzentrum.

Dalmunach Distillery - Arbeitspferd von Pernod Ricard

Dalmunach Distillery – Arbeitspferd von Pernod Ricard

Doch wie sieht es in Sachen Besucher-Attraktionen aus? Auch hier betreten eine Reihe attraktive neue Anwärter die Bühne und ergänzen die schottische Landschaft um einige sehenswerte Brennereien und Besucherzentren. Die Lowlands haben hier besonders aufgerüstet. Bereits seit 2014 empfangen Annandale (Dumfries & Galloway) und Kingsbarns im Kingdom of Fife Besucher in ihren wohldurchdachten und liebevoll gestalteten Neubauten. Die Lindores Abbey Distillery hat eine wunderschöne Pilgerstätte für Whisky-Enthusiasten an der „Geburtsstätte“ des Scotch Whiskys geschaffen, an der 1494 die erste schriftliche Erwähnung des „Wasser des Lebens“ dokumentiert wurde. Auch Glasgow hat mit Clydeside nun endlich wieder eine Brennerei mit Besucherzentrum vorzuweisen. Alle genannten Brennereien haben ein Besucherzentrum mit Cafe. Ein Muss für Whisky-Reisende.

Clydeside Distillery in Glasgow

Clydeside Distillery in Glasgow

Gleiches gilt für die weiter abgeschlagenen Jung-Brennereien die trotz, oder gerade wegen ihrer Lage einen Besuch wert sind. Die West-Küste hat mit Ardnamurchan und Ncn’ean zwei liebenswerte Rohdiamanten mitten in die Wildnis gesetzt, die beide neue Standards in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit setzen.

Ncn'ean Brennerei - Blick aus dem Fenster

Ncn’ean – Geheimtipp für Whiskytouristen

Einen ebenfalls grünen Daumen hat GlenWyvis in der Highland Gemeinde Dingwall bewiesen, Schottlands erste Whisky-Brennerei in Gemeindehand, über Spenden und Crowdfunding finanziert. Die Brennerei setzt erfolgreich auf eine Kombination aller erdenklicher erneuerbaren Energien und hat sich damit gänzlich unabhängig vom staatlichen Stromnetz gemacht.

Glen Wyvis Distillery

Glen Wyvis Brennerei – Whisky als Crowdfunding Projekt

Und wie sieht es auf den Inseln aus? Nicht weniger spannend! Auf Skye bekommt Talisker nach Jahrzehnten der Einsamkeit schließlich mit Torabhaig Gesellschaft. Auch die Nachbarinsel Raasay hat mit der gleichnamigen Brennerei die Whisky-Produktion aufgenommen. Gleiches gilt für die Äußeren Hebriden. Auf der Isle of Harris hat sich eine attraktive bodenständige Insel-Brennerei entwickelt, eine willkommene Unterstützung der Insel-Community. Denn die Brennerei lockt nicht nur neue Gäste auf die Insel, sondern schafft gleichzeitig nachhaltige lokale Arbeitsplätze.

Isle of Harris Distillery

Isle of Harris Distillery – Neuer Stoff für Fans von Inselwhiskys

Weniger Werbung nötig hat die Insel Islay, die seit Jahrzehnten als Mekka für „Peatheads“, die Freunde torfrauchiger Whiskys, gilt. Hier wird gerade Ardnahoe an der Nord-Ost-Küste der Insel der letzte Schliff gegeben. Mindestens zwei weitere Brennereien werden in den nächsten Jahren folgen.

Auf was können wir uns sonst noch freuen? Zwei weitere Trends haben einen neuen Typ Brennereien entstehen lassen. Die Stichworte heißen „Innovation“ und „Provenance“. Sowohl die super-innovativen Craft-Destillerien, als auch die lokal orientierten Single-Estate-Destillerien haben sich stark im schottischen Osten angesiedelt.

Im Innovations-Bereich hat Strathearn 2013 den Trend gesetzt, mit superkleinen Produktionskapazitäten und Fassexperimenten. Die „Punks der Whiskyszene“ bei Lone Wolf wollen noch einen oben drauf setzen und jede Grenze einreißen. Mit neuen Destillationsmethoden, Experimenten bei Hefe, Fassreifung und Getreidesorten sind der Aromenvielfalt der Zukunft keine Grenzen gesetzt. Auch Twin River in Aberdeenshire und Eden Mill nähe St. Andrews wollen aus der Masse an Single Malts herausstechen. Eden Mill hat erst kürzlich die ersten dreijährigen Malts mit unterschiedlichen Malz-Typen veröffentlicht, während Twin River sich neben Gerstenmalz-Varianten auch mit Roggen als Grundlage versuchen wird. Auf der Insel Arran haben sich die Arran Distillers mit ihrer neuen Lagg Distillery ein zukünftiges Forschungslabor für Torf und dessen Einfluss auf Whisky gebaut. Hier soll mit Torf aus unterschiedlichen Teilen Schottlands und sogar der ganzen Welt experimentiert werden! Peatheads, sollten diese Brennerei im Auge behalten!

Eden Mill Distillery

Eden Mill Distillery – Experimentierfreude wird hier groß geschrieben.

Das Erfolgsrezept der Farm-Destille Kilchoman auf der Insel Islay dient heute vielen jungen Brennereien als Vorbild. Klein, lokal und mit dem Fokus auf den Begriffen „Terroir“ und „Provenance“ (zu Deutsch „Herkunft“) wollen diese Brennereien selbstbewusst eine größtmögliche Transparenz garantieren. „Vom Feld in die Flasche“ heißt es bei Ballindalloch in der Speyside, Arbikie in den östlichen Highlands und Aberargie in Fife.

Arberargier Distillery umgeben von Gerstenfeldern

Aberargie Distillery – From Grain to Glass, traditionelle Farmbrennereien sind wieder im kommen.

Wie Sie sehen gibt es mehr als genug gute Gründe in den nächsten Jahren die Augen und Ohren offen zu halten nach den Whiskys des neuen Milleniums. Die Zukunft des Scotch Whiskys ist bunt. Im Folgenden können Sie einen näheren Blick auf die neuen Brennereien werfen. Viel Freude damit!

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