Burns Night und Burns Supper – mit Whisky, Lyrik und…Haggis: so feiern die Schotten ihren Nationaldichter

Burns-Night

Robert Burns – Great Chieftain o’ the Puddin-race! – feiert Geburtstag

Robert Burns gilt als der schottische Nationaldichter schlechthin, dessen Lieder und Gedichte die Zeit überdauern. Er lebte von 1759-1796. Sein Leben war zwar kurz, aber sein Schaffen enorm. Anlässlich seines Geburtstages wird auf der ganzen Welt (von Schotten) am 25. Januar die Burns Night gefeiert. Das sogenannte Burns Supper bietet den Rahmen für einen jovialen Abend voll Whisky, Spaß und Essen immer mit einer Prise Lyrik verfeinert. Hier ein Überblick.

Das Essen

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Foto von Chris Brown/zoonabar (Eigenes Werk) [CC BY 2.0], via Flickr

Traditionell wird beim Burns Supper Haggis serviert. Haggis ist eine dubiose Mischung aus zerkleinerten Schafsinnereien (Lunge, Herz und Leber), Haferflocken, Kräutern, Gewürzen und Nierenfett. Dieser wilde Mix wird (traditionell) in einem Schafsmagen gekocht (übrigens isst man diese Hülle nicht mit). Guter Haggis muss saftig, geschmacksintensiv und mehr oder weniger bissfest sein. Serviert wird das Ganze, während Burns “Adress to a Haggis” rezitiert wird:

“Fair fa’ your honest, sonsie face,
Great Chieftain o’ the Puddin-race!
Aboon them a’ ye tak your place,
Painch, tripe, or thaim:
Weel are ye wordy of a grace
As lang’s my arm.
[…]
His knife see Rustic-labour dight,
An’ cut you up wi’ ready slight,
Trenching your gushing entrails bright
Like onie ditch;
And then, O what a glorious sight,
Warm-reekin’, rich!”

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Als Beilage gibt es “Neeps and Tatties” (Kartoffeln und Steckrüben meist als Püree serviert) und als Dessert wird Cranachan aufgetischt. Cranachan besteht aus Früchten (wie z.B. Himbeeren), Haferflocken, Honig, Sahne und (natürlich) einem Schuss Whisky.

 

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Foto: von Nick Webb (Eigenes Werk) [CC BY 2.0], via Flickr

Der Whisky

„Oh thou, my Muse! guid auld Scotch Drink,
Whether thro‘ wimplin worms thou jink,
Or richly brown, ream owre the brink,
In glorious faem,
Inspire me, till I lisp an‘ wink,
To sing thy name“
[…]
„Oh Whisky! soul o‘ plays an‘ pranks!
Accept a bardie’s gratefu thanks!
When wanting thee, what tuneless cranks
Are my poor verses!
Thou comes – they rattle i‘ their ranks
At ither’s arses!“ – Auszug aus dem Gedicht „Scotch Drink“

Während des gesamten Abends gibt es viele Trinksprüche und somit genug Gelegenheit mit einem guten Dram anzustoßen. Ein Toast zum „Immortal memory of Robert Burns“ bildet den Kern mit einem Gedicht oder Lied des Barden. Der Tenor kann von lustig über ernst das ganze Spektrum des Burns’schen Schaffens abdecken.

Der Barde von Ayrshire
Geboren in Alloway, Ayrshire, verstarb Burns in Dumfries, Dumfriesshire – und war somit ein echter Lowlander. Daher bietet sich als Whisky-Wahl natürlich der leichte Lowland Stil an.
Unsere Vorschläge:

Bild zu Bladnoch 1990/2016 The Cooper's ChoiceBild zu The Epicurean Lowland Blend

Dann gibt es noch das “Address to the Lassies”, wo ein Redner generelle Gedanken zu Frauen meist in lustigem Stile (doch nie gehässig) vorträgt und die Damen revanchieren sich im Anschluss mit der “Reply to the Laddies”.
Wie wäre es an dieser Stelle mit zwei Insulanern oder einem Burns gewidmeten Blend?!

Arran Robert Burns Bruichladdich The Laddie 10

Zum Abschluss dann vielleicht noch ein paar kräftig-süße Exemplare aus den Highlands:

Timorous Beastie Highland BlendGlendronach Cask Strength Batch #7

 

Hier die erste Strophe des Robert Burns Gedicht „To A Mouse“:

Wee, sleekit, cowran, tim’rous beastie,
O, what a panic’s in thy breastie!
Thou need na start awa sae hasty,
Wi‘ bickering brattle!
I wad be laith to rin an‘ chase thee,
Wi‘ murd’ring pattle!

Der Dichter

Robert Burns kam aus ärmlichen Verhältnissen und pflegte Zeit seines Lebens eine enge Verbundenheit zu der armen Landbevölkerung Schottlands. Seine Gedichte und Lieder schrieb er (größtenteils) im schottischen Dialekt, man zählt sie zu Pionierarbeiten der Romantik. Burns Stil war gespickt mit umgangssprachlichen Ausdrücken und wörtlicher Rede, was wie ein Befreiungsschlag vom strengen Formalismus früherer Zeiten war. Dieser Stil erinnert entfernt an die späteren Gedichte Lord Byrons oder Chaucers Canterbury Tales. Während deutsche Romantiker wie die Gebrüder Grimm Märchen sammelten, reiste auch Burns durch die schottischen Highlands und Grenzregionen um Lieder zu sammeln. Er verschriftlichte somit die orale Tradition seines Landes um sie der Nachwelt überliefern zu können. Zu seinen berühmtesten Werken gehören “To a Mouse”, “Tam o’ Shanter” und das Lied “Auld Lang Syne”, was auch heute noch im englischsprachigen Raum an Silvester gesungen wird. Burns Themen reichten von den Belangen der kleinen Leute über Religion bis zu Politik und sein ironischer Ton sowie messerscharfer Blick auf die menschliche Natur erheben ihn über das rein Provinzielle.

Eine unterhaltsame Zusammenfassung seines Lebens und Schaffens hat auch scotland.org zusammengestellt:

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