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Armagnac

Armagnac gilt als der temperamentvolle kleine Bruder des Cognacs - obwohl er bereits 100 Jahre früher entstand als sein Landsmann. Im wilden Terroir der Gascogne hat der unterschätzte Branntwein seinen Ursprung und kann vor allem mit seinem fruchtig-süßen Charme punkten, den er mal zart und mal kräftig in Szene setzt. Als facettenreicher Franzose eignet er sich als stilvolles Präsent in einer Jahrgangsabfüllung ebenso gut wie für den Eigengenuss - und das zu einem fairen Preis. Liebhaber geschmeidiger Tropfen werden ihre pure Freude mit ihm haben.
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Hintergrund

Armagnac ist ein Branntwein, der nur in einem kleinen Gebiet im Südwesten Frankreichs hergestellt werden darf. Etwa 15.000 Hektar stehen für den Anbau zur Verfügung, wovon nur etwa 4.500 Hektar ausschließlich für die Herstellung von Armagnac verwendet werden. Das Produkt gilt qualitativ als hochwertig und unterliegt strengen Regeln, die die Standards gleichbleibend hoch halten. Dennoch hat die rare Spirituose bisher nicht den gleichen Aufschwung erlebt wie Whisky, Rum oder Gin.

Viele Spirituosenfreunde stehen Armagnac skeptisch gegenüber oder haben noch nicht viel davon gehört. Dabei ist Armagnac der erste hochprozentige Alkohol überhaupt gewesen, der in Frankreich hergestellt wurde - auch lange vor dem Cognac, der sich an einem größeren Bekanntheitsgrad erfreuen kann. Es steckt also eine lange Tradition hinter dem Branntwein, ähnlich wie beim Whisky. Doch während die Schotten sich munter den Geschichten, Sagen und Mythen hinter der Whiskyherstellung widmen, wird für Armagnac nicht so kräftig die Werbetrommel gerührt. Auch auf die Aufmachung der Flaschen und Verpackungen wird weniger Wert gelegt als bei Gin oder Whisky. Man konzentriert sich eben auf das Wesentliche. Während es bei Whisky mittlerweile häufiger vorkommt, dass den Marken, Brennereien und ihren Geschichten mehr Gewicht beigemessen werden als dem Produkt selbst, geht es beim Armagnac schlicht und einfach um die Qualität, die sich in einem angemessenen Preis widerspiegelt. Und das obwohl auch der Branntwein häufiger 20 bis 30 Jahre reift.

Stil

Wie schmeckt Armagnac? Der Brandy weiß durch seine runden, lieblichen Reize zu entzücken. Hier findet sich nichts harsches oder rauchiges. Dennoch hat auch er verschiedene Facetten, die ergründet werden können. Je nach verwendeter Rebsorte und Anbauregion kann der Geschmack variieren. Auch die Lagerdauer in Eichenfässern trägt zur Charakterbildung bei. Allerdings vereint alle Armagnacs ihre Fruchtigkeit - wie ein ansprechender Obstkorb präsentiert sie sich. Sie kann von Rosinen über Pflaumen bis hin zu Äpfeln reichen. Feine Vanille, die von den Eichenfässern herrührt, gilt ebenfalls als klassische Armagnac-Note. Bei leichteren Tropfen fügen sich außerdem florale Töne in das Geschmacksbild ein.

Regionen

Das gesamte Gebiet, das für die Armagnac-Herstellung zugelassen ist, beläuft sich auf etwa 15.000 Hektar und wird in drei Regionen unterteilt. Diese sind vor allem deshalb relevant für den Geschmack, weil sie unterschiedliche Bodenqualitäten aufweisen. Das spiegelt sich im Charakter des Endprodukts wider. Wie bei Weinen ist somit das Terroir, also der Produktionsort, absolut entscheidend für die letztendliche Qualität der Spirituose. 

Bas-Armagnac

Auf dem kleinen Fleckchen Erde, auf dem der Wein zur Armagnac-Herstellung angebaut wird, nimmt Bas-Armagnac den westlichsten Teil ein. Die Region ist von einer hügeligen Landschaft geprägt. Der Boden ist sauer, lehmhaltig, sandig und beinhaltet vereinzelt Eisenelemente, die an der rotbraunen Färbung der Erde erkennbar sind. Auf diesem Terroir liegt der Ursprung für fruchtige, zarte und leichte Branntweine. 

Armagnac-Ténarèze

Dieser Bereich befindet sich in der Mitte zwischen Bas und Haut und dehnt sich besonders in den nördlichen Gefilden der Region aus. Da es sich um eine Art Übergangszone handelt, kommen hier Elemente aus den Nachbararealen zusammen. Die Böden sind lehm- sowie kalkhaltig. Obwohl sehr schwer, sind sie dennoch fruchtbar. Aus dieser Gegend kommen vorrangig kräftige Erzeugnisse, denen eine ausgedehnte Lagerung zugute kommt.

Haut-Armagnac

Geschmeidig legt sich dieser Abschnitt um die beiden anderen und begrenzt sie im Süden und Osten. Mittlerweile ist die Region kaum noch relevant, wenn es um die Armagnac-Produktion geht. Nur noch etwa 3 Prozent kommen von dort. Vorrangig finden sich hier Kalkstein und Lehmkalk. Die Weinberge sind recht karg. Aus dieser Gegend sind gerade junge Armagnacs wegen ihrer Lebhaftigkeit zu empfehlen.

Herstellung

Wie wird Armagnac hergestellt? Der erste Schritt ist der Weinanbau. Doch welche Rebsorten werden überhaupt für Armagnac verwendet?

Rebsorten

Für die Armagnac-Produktion sind 10 weiße Rebsorten zugelassen. Die Sorten Clairette de Cascogne, Jurançon blanc, Plant de graisse, Meslier Saint François, Mauzac blanc und Mauzac rosé sind ältere Varianten, die nur noch auf wenigen Weinbergen gepflanzt werden. Einige Produzenten wollen das Erbe und die historische Vielfalt der Spirituose bewahren und widmen sich darum diesen Trauben. Die Mehrheit der Armagnacs entsteht jedoch aus den 4 verbleibenden Sorten, die wir uns genauer ansehen:

Ugni Blanc

Die Rebsorte Ugni-blanc ist quasi der Allrounder unter den Destillationstrauben und darum auch die häufigst verwendete. Zum einen kann sie in allen drei Regionen angepflanzt werden. Zum anderen können aus ihr saure, alkoholarme Weine hergestellt werden, die hochqualitative Branntweine hervorbringen. 

Folle Blanche

Am bekanntesten ist die Sorte Folle Blanche. Sie ist die ursprünglich verwendete Traubensorte, die bis 1878 hauptsächlich eingesetzt wurde. Allerdings war sie anfällig für die Reblaus, die nahezu die gesamten Weinberge vernichtete. Heute gestaltet sich der Anbau schwieriger, weshalb Folle Blanche nur noch selten angebaut wird. Die Traube sorgt für feine, elegante, oft blumige Armagnacs, deren lieblicher Charakter vor allem in jungen Kreationen Ausdruck verliehen wird.

Baco

Bei der Rebsorte Baco handelt es sich um einen Hybriden, der nach der Reblaus-Problematik von einem Schullehrer entwickelt wurde. Er kombinierte die traditionelle Sorte Folle Blanche mit der Sorte Noah. Heraus kam eine Traube, die überaus robust ist und sich besonders in den sandigen Böden der Bas-Armagnac wohlfühlt. Sie verleiht dem Branntwein runde Geschmeidigkeit und Aromen reifer Früchte. Eine lange Reifezeit kommt diesen Charakterzügen zugute.

Colombard

Hauptsächlich wird die Rebsorte Colombard heute zur Herstellung von Weißwein angebaut, jedoch ebenfalls in der Armagnac-Region. Ihre Destillation ist derzeit relativ selten. In geblendeten Erzeugnissen werden seine fruchtigen und würzigen Aromen geschätzt.

Wein

Die Früchte der o.g. Rebsorten dürfen erst für die Armagnac-Herstellung verwendet werden, wenn die Pflanze mindestens 5 Jahre alt ist. Sobald das Alter erreicht wird, durchlaufen die Trauben eine natürliche Spontangärung zur Weinherstellung. Zusätze wie Zucker, Hefe oder Schwefeldioxid sind dabei unzulässig. Ungefähr 10 bis 17 Tage dauert dieser Prozess. Bis dahin hat der Wein zwischen 8 und 9,5 Vol.-% Alkoholgehalt. 

Destillation

Anschließend wird der Wein destilliert. Dies geschieht in den Wintermonaten. Einige Hersteller ziehen es vor, wenn der Brennvorgang vor Ort durchgeführt wird. Teilweise werden zu diesem Zwecke "Wander-Distiller" engagiert, die die nötige Expertise mitbringen und von Gut zu Gut ziehen. Alternativ haben andere Landwirte Kooperationen zu Brennereien, die sie mit der Destillation beauftragen. Während lange Zeit das Pot-Still-Verfahren Anwendung fand, darf Armagnac seit 1936 nur noch im kontinuierlichen Brennverfahren hergestellt werden. Die verwendeten Apparaturen heißen zwar anders (Alambics), folgen jedoch dem gleichen Prinzip wie eine klassische Column-Stills. Nach dem Vorgang bewegt sich der Alkoholgehalt zwischen 52 Vol.-% und 72 Vol.-%. Bis zu diesem Zeitpunkt trägt das Destillat viele fruchtige oder blumige Noten in sich, die anschließend durch die Fassreifung komplettiert werden.

Reifung

Die Lagerung erfolgt in 400-Liter-Eichenfässern aus der Region Gascogne oder Limousin. Diese werden in Kellergewölben verstaut. Die vorhandene Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind bestimmend für die Qualität der Reifung. Das Destillat verweilt eine Zeit lang in frischen Fässern. Um den Einfluss des Holzes nicht Überhand nehmen zu lassen, wird der Branntwein nach einer gewissen Dauer allerdings in ältere Fässer umgefüllt. Dort kann der Armagnac schließlich sein komplexes Aroma entfalten. Dieser Reifeprozess kann von einem bis zu 50 Jahre andauern.

Abfüllung

Sobald der Tropfen für gut befunden wird, verlässt er die Holzfässer und wird stattdessen in große Glasballons (Demijohns) gefüllt. In diesen ist er nicht länger dem Holz ausgesetzt und es findet keine weitere Reifung statt. Anschließend ist es dem Hersteller überlassen, ob er den Armagnac so abfüllt, z.B. als Jahrgangsedition, oder ihn mit weiteren verblenden will. Beim Blenden spielt oftmals "petite eaux" eine Rolle. Dabei handelt es sich um eine Mixtur aus Armagnac und destilliertem Wasser, die separat reifte. Damit kann der Alkoholgehalt an die Vorgabe (mind. 40 Vol.-%) angepasst werden.

Alter

Für den Armagnac bestehen ähnliche Altersprädikate wie für Cognac:

Trois Etoiles (***) oder VS: bis 2 Jahre alt

VSOP: mindestens 3 Jahre alt

Napoléon: mindestens 5 Jahre alt

Hors d'Âge oder XO: mindestens 10 Jahre alt

Wenn diese Angaben auf einer Flasche sind, ist meist mit einem Cuvée, also einem Verschnitt, aus unterschiedlichen Jahrgängen zu rechnen. Der jüngste verwendete Anteil entscheidet über das Alter das letztlich auf dem Etikett angegeben wird. Allerdings finden sich beim Armagnac auch häufig Jahrgangsabfüllungen, die mit Millésime oder Vintage betitelt werden. Für diese Kreationen wird die Ernte eines einzelnen Jahres verwendet.

Empfehlung

Welche Armagnacs "muss" man einmal probiert haben? Warum sollten Sie sich statt eines altbewährten Cognacs auch mal diesen traditionellen Branntwein aus dem Südwesten Frankreichs gönnen? Auch wenn für beide Brandys zum Großteil die gleichen Rebsorten verwendet werden, spielt das unterschiedliche Vorgehen bei der Destillation eine entscheidende Rolle. Während Cognac zweimal gebrannt wird, durchläuft Armagnac lediglich einen Brennvorgang. Dadurch kann beim Armagnac ein größeres Aromenspektrum erhalten werden, als man es von Cognac gewöhnt ist. Für erfahrene Whisky- oder Rumgenießer, die sich mal an Branntwein probieren möchten, kann ein Armagnac deshalb die bessere Option sein. Denn hier finden sich ebenso komplexe, vielfältige Noten wie man sie bei den schottischen oder karibischen Spirituosen zu schätzen weiß.

Um herauszufinden, welcher Armagnac der richtige für einen ist, geht nichts über das Probieren. Bei der großen Vielfalt kann man sich beispielsweise an den Eigenschaften der Regionen und Rebsorten orientieren. Bas-Armagnac gilt als der feinste und edelste. Er ist zart und leicht. Damit eignet er sich hervorragend für Einsteiger. Doch auch erfahrene Genießer kommen auf ihre Kosten. Für ein sommerliches Dinner auf der Terrasse werden Sie kaum einen besseren Begleiter finden. Wenn Sie eher an einen Abend mit alten Freunden denken, an dem die ein oder andere Zigarre gepafft wird, empfehlen wir Ihnen einen gut gereiften Armagnac-Ténarèze. Er punktet mit kräftigen, vollen Aromen, deren Fruchtigkeit sich wunderbar mit den herben Rauch des Glimmstängels verbinden lässt. Neben den unterschiedlichen Variationen von Armagnac kann man sich auch die großen Marken der Spirituose ansehen. Bei Namen wie Maison Janneau, Clos Martin oder Armagnac Castarède kann von einer beständig hohen Qualität ausgegangen werden. Bei unabhängigen Produzenten können sie beispielsweise auf Chateau de Laquy, L'Encantada, Chateau de Briat oder Domaine de Charron setzen.

Haben Sie sich dann für einen Armagnac entschieden, bleibt nur noch die Frage, wie man ihn trinkt. Es empfiehlt sich, diesen Branntwein bei Zimmertemperatur zu genießen. Bei etwa 17°C bis 20°C hat er seinen optimalen Wärmegrad. Pur lassen sich die Aromen wie bei anderen (vor allem fassgereiften) Spirituosen am besten ergründen. Die nach oben hin verjüngte Form eines Nosingglases eignet sich hervorragend. In der bauchigen Form kann sich das Aroma entfalten, ohne zu schnell zu entfliehen. Wenn Sie sich lieber erst einmal herantasten möchten, können Sie sich einen leichten, blumigen Armagnac nehmen und diesen auch für Mixgetränke verwenden. Ein junger Armagnac ergibt zusammen mit Tonic zum Beispiel ein tolles Duett.

Geschichte

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Armagnac 1411 - und damit über ein Jahrhundert bevor das erste Mal von Cognac die Rede war (1549). Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Spirituose exportiert, allerdings war es schwer möglich, mit den Cognac-Verkäufen mitzuhalten, da die Verkehrsanbindung der Armagnac-Region denkbar schlecht war. So blieben die Absatzzahlen weit hinter denen des Cognacs zurück und der Armagnac wurde eher in regionalen Kreisen vertrieben. Erst im 19. Jahrhundert sollte es grundlegende Änderungen für die Spirituose geben. Zum einen wurde das kontinuierliche Brennverfahren mittels Column Stills erfunden, was den Produktionspreis sinken ließ. Zum anderen wurde der Fluss Baise so ausgebaut, dass eine Schifffahrtsanbindung nach Bordeaux möglich war. Damals war die Weinstadt bereits Dreh- und Angelpunkt für den Wein- und Spirituosenhandel. Beide Faktoren sorgten dafür, dass die Absatzzahlen deutlich stiegen. Doch mitten in dieses aufblühende Geschäft platzte plötzlich die "Reblaus-Krise". 1878 trieb eine Reblausart ihr Unwesen und sorgte dafür, dass die Erträge nahezu sämtlicher Weinberge Europas zunichte gemacht wurden. Daraufhin hingen viele Kleinproduzenten den Weinbau an den Nagel und widmeten sich anderen landwirtschaftlichen Produkten. Für diejenigen, die das Armagnac-Geschäft weiterführen wollten, gestaltete sich die Umstellung auf resistente Rebsorten als schwierig. Sie dauerte nicht nur lange, sondern war auch kostspielig. Da erging es den meist größeren Cognac-Produzenten besser. Sie besaßen bereits mehr finanzielle Mittel, um das Umsatteln auf neue Rebsorten schnell realisieren zu können. Und so hatte Cognac die Nase wieder weit vorn, während Armagnac auf der Strecke blieb. Erst Weltwirtschaftskrise und der Erste Weltkrieg sorgten für den extremen Rückgang des Exportschlagers Cognac, während die Armagnac-Produzenten, die hauptsächlich lokal vertrieben, kaum Einbußen verbuchen mussten. Schließlich konnte Armagnac zwischen den Weltkriegen in Großbritannien und den USA als alternative Branntwein-Variante etabliert werden. Die Professionalisierung der Branche schritt weiter voran und so wurde 1975 schließlich das Bureau National Interprofessionnel de l’Armagnac, kurz BNIA, gegründet. Es unterstützt die Hersteller nicht nur bei Produktion und Marketing, sondern ist auch heute noch für die Sicherstellung der Qualitätsstandards zuständig. Zu diesen zählt seit 1909 die geschützte Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Controlée), die die Herstellung von Armagnac auf einen Teil der Provinz Gascogne im Südwesten Frankreichs beschränkt. Trotz erstklassiger Güte und hochwertiger Standards vermag der Armagnac bisher nicht, aus dem Schatten des Cognacs herauszutreten. Doch wir empfehlen dem vielseitigen Branntwein aus der Gascogne eine Chance zu geben.

Herkunft

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